Gedichte – lyrische Jugendsünden…

1)

Etwas jünger sei uns der Abend
und weniger nächtig –
die uns das Traumherz zerreißen
sind noch nicht mächtig.

Laß uns den Wein
genießen und weinendes Dämmern –
hören wir noch
der Ewigkeit wütiges Hämmern?

Aus den Sternen des Grauens
fallen manche als Lust –
Lausch auf das Hämmern im Innern
Deiner lichttrunkenen Brust!

————–

Wintermärchen

In alte Gärten sinkt der Schnee –
noch todgeweiht die ersten Flocken;
Doch sanft umwirbt der weiße Tod
die Gräser – und sie folgen seinem Locken.

Er ist nicht wild, auch grausam nicht,
leicht tanzen seine anmutigen Träume –
zart hüllt er da ein Blatt, zieht einen Vogel dort ins ew’ge Licht,
mitleidig legt er Pelze um die frierend abgewandten Bäume.

Der Schnee sinkt leise in die alten Gärten,
leise deckt er sie zu mit kaltem Flaum –
Die Bäume, knorrig, kauen an den neuen Bärten
und sinken kauend in den alten, langerwart’ten Traum.

Die Königin des Lichts – sie ist hinabgestiegen,
mit Erdenriesen zeugt sie künftig‘ neues Leben;
Nein, grabt nicht! – laßt sie friedlich liegen
und ziehet einsam, zweisam auf vertrauten Wegen
noch unbekannte Muster in des Hochzeitsbettes Decke –
gebreitet auf ihr weißes, leises Beben.

————–

Tot ist mein Inneres – Suizid
oder Mord? Keinen
klage ich an, klage nur
über Fakten, geschaffen gegen mein
Wollen durch mich.
Stark bin ich.
Stehe über den Dingen und Menschen.
Lange genug hämmerte ein
ich mir diesen Wahn –
nun ticken Verzweiflungswürmer am Eisenholz,
hinter der täuschenden Fassade meiner Arroganz
liegt unbeerdigt stinkend der Kadaver
meines Ichs.

Keine menschliche Sonne wärmt neues Leben,
und die Auferstehung der Toten
fiel längst aus meinem
Credo
an einen lieblosen Gott,
den ich
hasse.

————–

Einfach ist es,
Skulpturen zu schaffen:
vom Block
einfach wegschlagen, was zu viel.
So auch Gedichte:
Befreien vom Überflüssigen,
Keine
Form um der Form willen.
Abschlagen den Zierrat,
weglassen, was nur schön.
So bleibt Vollendung:
Ein Blatt voll
unberührbarer Leere.
Frei.

————–

Was soll’s.
Wir sind hier.
Und nur manchmal geahnt
das Jenseits.
Brücken enden auf halbem Bogen, und Zöllner
kassieren Erinnerungen beim Grenzübertritt.
Waren wir dort?
Kehren zurück?

Was soll’s.
Wir sind hier –
und wir bleiben.

————–

Warum tappe ich weiter?
Warum folge ich nicht den Predigten
schnellen Todes
erlösend
Ich tappe weiter
tapsig, tollpatschig
suche Grazie
suche meinen Konjunktiv

– Sprachspiele als labyrithische
Orientierung –

Ich tappe weiter
solange
bis ich mich elegant
schwingen kann aus der
Welt.

————–

Kleine Geliebte
Deine spitzen Rippenbögen
bohren durch alte Grasnarben
kniestern genießerisch in
der dampfenden Sonne eines
anderen Frühlings

In den Gewölben der Lust ringelt
sich faul ein Regenwurm
Warum
gruppierten sich die Knöchelchen
Deiner zarten Hände um den
scharfkantigen Quarzstein?
Unter den Strahlen höhergereckter
Sonnen
geben sie ihn frei
und ein beginnender
Baum senkt erste Wurzeln ins Rückenmark.

————–

Die Kassandrarufe alter
Elstern
fallen gescheckt in den Schnee
Langschwänzig flatternd
folgen die Urheberinnen
Und kaltschnäuzig wandelt
ein kälterer Priamos
durch hüllenden Nebel
verhallend.

————–

Man glaubt oft zu sterben,
wenn ein Weg endet im Dickicht –
doch erst dann lebt man:
kämpfend auf der Suche nach neuen
Wegen.

Bis man einen neuen Tod findet
geradeaus.

————–

Kochanleitung

Im Schreien rühren
Langsam
die Stille unterziehen
Schaumig schlagen
Und kurz aufkochen
Eindickend scheitert eine
weitere Revolution
Gelingt
Wird bitter
Spritzend
Kleckernd
Orgiastische Verteilung von Urlaut
Aus den widerlichsten Abschäumen der
Menschheit.
Uns
Wahrhaft elitär.

————–

Ich bin –

auch wenn mein Sein oft nur
das Nicht-Sein kündet

und allen Seins so wirres Gehn
auch nur in Nicht-Sein mündet.

Wer trägt dieses Wissen?
Nicht mehr lange, und wir
werden auch dies Sein noch missen.

Warum?

Weil es uns manchmal manches gab?
Weil selbst das Un-Sein uns
noch lieber als das Nicht-Sein ist?
Warum nicht lieber uns ein kühles Grab?

Wir sind…

————–

Bedeutungslosigkeit
Leere
Nichts füllt sie aus
ich nicht
und nicht Menschen
selbst die einst Einziges schienen
Plötzlich bricht sich herauf
unter dem sorglos verdrängten Geplänkel
Leben genannt
Und Tiefe ruft nieder Geist
der nicht will
doch er stürzt
– nicht Engel halten den Fall –
und im Nichts erst erkennt er
daß er fiel in
sich selbst.

————–

Quantensprünge – oder
die von Gedanken – wo
der Unterschied?
Jeweils Welt, geteilt, sich teilend
wie wir
unsere Möglichkeiten halbiert
weil Bewußtsein verbleibt
in einer der Welten, geteilt
im Unendlichen, gefangen
in der All-Zahl
Nur eine der Möglichkeiten erlebt.
Die Beste aller möglichen?
die Kekse sind mir lieber…

————–

Engel

Gesichter um mich gesetzt –
wie viele
von ihnen gefallene Engel?

„(allen Bewohnern des Himmels hat
der gefallene Engel tragische Würde
voraus)“ –

Würde? – diese hier?
tragisch auch noch?
Nein! – weiter verborgen gehen
die Engel – oder
sind sie es doch? – nachdem
verloren die Würde
erkannt, wie sinnlos ihre alte Welt
einsam nun, ohne Vater-Götzen
geworfen in eine nicht mehr
durchschaute Welt
erbärmlich
?

————–

Sind wir Brüder – derer
deren Arm wir spüren – manchmal
gelegt um unsre Verzweiflung
deren wissende Stirnen manchmal
an unsre gelehnt
Gedanken spendend aus der Leere
beauftragten Un-Gefühhls

Ewig sind sie – überdauernd
wissend vieles, selten fühlend
und machtlos
unschuldig – jenseitig

Ältere Brüder wir:
überschritten die Grenze zur Welt
Ahnen statt wissen und sterbend
doch erlebt,
was den Engeln verwehrt:
Liebe und Schuld.
Uns.

————–

Schutzengel a.D.

Einer sprang weg mir unter
der Hand – haltlos
machtlos ich – Hinderer nicht
des Vorherbestimmten
Doch – auch ich sprang
(bestimmt oder nicht)
Gab auf Ewigkeit
tauschte mich gegen ihn
bekam Zeit – begrenzt
bekam Tod – auf Abruf
bekam mich
schutzlos

————–

Gestern
hinter den Bergen wogte
Brodem meiner Sorgen
und Ängste

Fern mir tobte
unnütz ihre Wut
Fern von ihnen
ruht ich bei Dir.

Doch flüchtig trug mich Dein Kuß
hin zu den Bergeskämmen
Brüchig sah ich den Fels
wild meine Ängste schwemmen
gegen das alte Bollwerk
das einst ich weise mir schuf
Und ich spürte: erst Du
brachtest die Risse hinein.

————–

Mädchenhaare, Mädchenauge –
schöne Dinge, die uns zieh’n
hin zu dem, zu dem wir doch nicht taugen –
warum also all das Zieh’n?
Ist’s das Spiel?
Das ewig Ungewisse,
das uns immer noch zu andern streben läßt
Während wir,
die ewig Ungewissen,
wissen, daß wir nur in uns sind, einsam, fest?
Doch ein Bad in tiefen kühlen Mädchenaugen
kann uns helfen, uns ein wenig zu verlieren;
Uns, die wir doch nicht zur Liebe taugen,
sanft zur Liebe hinzuführen…

————–

Wer wagt noch zu singen
die alten Lieder –
würde aus ihnen doch klingen
ein Hauch von Flieder…

Wer wagt noch zu singen
von Liebe und Leid –
Ein müdes Lächeln –
Sowas, in der Zeit?

Liebe – ein Körperspiel
und Leid – nicht mehr „in“
nur ich,
der ich ein Anachronismus bin
sing noch von ihnen –
Noch sing ich allein…

————–


Zwiesprache

Suchen will ich!
Suchen!
Verdammt!
Laßt mich an Gräberfelder!
Ich will Gebeine verstreuen,
sorgsam drapierte Kränze
zerrupfen
Kapellen schänden und Kreuze biegen –
Laßt mich!!
Ich will sehen, ob ich
Wahrheit dort finde
alte, verweste, faulige Wahrheit
Laßt mich sehen, ob aus
den Nasenlöchern der Schädel
sich Ewigkeit popeln läßt,
schleimig überdauernde
und ob ich den finde, der
für mich zu sterben vorgab.
Suchen will ich ihn
und ihn fragen,
ob er nicht endlich
leben will – für mich.

Ach was –
laß die Kadaver
in ihrem Unfrieden verrotten –
genug
Ärger haben sie gehabt.
haben vielleicht gesucht –
wie Du
Haben im Nichts geendet
wo sie mehr erwartet hatten –
wie Du.
Laß auch ihn
unruhig umhergeistern –
stört es Dich,
daß man ihm Auferstehung
nachsagt?
Übel wäre es für ihn –
noch länger leiden für
die Leiden, die er nicht
auf sich nehmen konnte.
Aber Du bist Dir sicher, daß
auch er endete –
also sei zufrieden
Laß die Kadaver
und
zerwühle die Gräberfelder
in Dir!

————–

Nacht in der Gorges de l’Aude

Geäst, sich reckend schwarz zum unbarmherz’gen Mond
raunt Furcht um verlassene Wege –
kein helfender Gott über’m Sternenzelt thront,
ein Kauz nur schreit Unheil und Qual.

Im fahlen Phosphorschein des Erdtrabanten
gleitet das Leben fort aus Dir in jene Schatten
die jählings tanzen um Dich geisterhaften Reigen,
die schonungslos und fratzenhaft Dich selbst Dir zeigen
und trübe Angst schrei’n in das Herz des einsam Wandernden.

Erschöpfung legt sich über meine Schritte
schaudernd fühl Wahnsinn ich durch’s Rückenmark mir nah’n –
doch ungerufen und schon fast vergessen,
steigt sanft ein andres Bild aus mir empor:
ein lächelndes Gesicht schiebt sich vor jene Wahngestalten,
tiefgraue Augen heilen meinen Blick –
was in mir bleibt, ist Zärtlichkeit
versöhnte Leere.
Und neben mir
hält die Gefährtin Schritt.

————–

Bei einem geliebten Thema
beim
Anblick der fernen Geliebten
einsam beim Blick von der Höhe des Passes zurück
schlafend in allen erdenklichen Stellungen
und auch sonst – träumen wir
träumen wovon?
Sinnlos verkettete Bilder oft käuen wieder,
was unserem Bewußtsein blieb unverdaulich
Schwitzend und auf aufgerissenen Lippen den Traumschrei noch
schrecken wir zurück vom dem Blick ins unverschleierte Selbst
Tagträume malen wir uns – uns selbst
und die Welt nachschaffend nach unserem Bilde
Manchmal nur, in den seltenen klaren Nächten
träumen wir wahr – erahnen
ein Stück der Ganzheit in uns.

erwachend, endet der Traum –
Verlischt – oder
formt eine Welt

————–

vision

Gefall’ne Engel ziehen leuchtend
durch mich Bahnen der Verheißung
oder
weckten prosaische Lieder
der Spatzen in mir die Hoffnung?

Erwacht die Wüste
In Blüten die Steppe
In den Trümmern des Mensch-Seins
Liebende.

Und aus den Gräbern in mir steigt rot
die Glut des Lebens und
singt.

————–

Ché lesend

Melancholische Klänge im Raum, durchwoben
von Rauchschwaden meiner Pfeife
sinnend lese ich
lesend sinne ich
einsam über Solidarität
faul dahingestreckt vom Leid der
Unterdrückten
untätig von ihrem Befreiungskampf.

Müde, verbittert sinn ich über den Sinn des
Daseins
zürne über all das Unrecht
trauere über all die Getretenen –
stelle fest, daß man etwas tun müßte –
Die Gräben füllen und Brücken schlagen,
die Menschen verändern, Tyrannen verjagen
brechen des Kapitals eh’rne Gewalt
der Gesellschaft geben neue Gestalt…
stelle es fest
und sinne weiter.

————–

Moritat von den Weltverbesserern

Über uns ein Regenbogen
hinter uns die neue Zeit –
lange sind wir so gezogen
Und?! Gefunden? – Dreckarbeit!

Jeder von uns hatte vor sich
die Vision vom großen Menschheitsglück –
doch war leider der Weg steinig
und die Menschheit leider weit zurück.

Und zurück blieben die hehren Ideale
Ellnbogen und Korruption waren jetzt Trumpf
Und dank der verschiedenen Ideologien
saß der Weltverbeßrer-Karren bald und fest im Sumpf.

Viel bescheidenen sind wir seither geworden,
träumen weniger vom großen Menschheitsglück
pfeifen längst auf Nachwelt oder Orden –
suchen lieber Schaufeln für den Dreck…

————–

Golgatha I

Weglassen den schmückenden Rahmen,
das Zierwerk:
Auferstehung, Finsternis, der Riß im Vorhang
des ewigen Tempels.
Weglassen die Mythen der Nachfolger, den Blick
trübend und lenkend ins Jenseits.
Ein klarer Blick genügt
und sieht Größeres, als
die Schrift kündet:
Stöhnendes Fleisch an einem Schandpfahl
ein irrer, stierer Blick, der nicht begreift –
ein Tierblick, auch dem Menschenbruder eigen.
Von Nägeln zermalmt die Hände, heilend,
nicht zur Gewalt bestimmt.
Festgenagelt die wunden Füße des Wanderphilosophen.

Gelungenes Beispiel für die Antwort der Herrschenden
auf zersetzende Liebe
zerstörerische Sanftheit
befreiende Lehre

Muster für die kleinen Kreuze
für uns.

————–

Golgatha II

„Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht…“
„Oh mein Gott, warum…?“
Zitatenschatz für kultivierte Bildungsbürger,
fromme Heuchler und Quartalssäufer:
„Mich dürstet!“
Was wißt ihr, wen ihr da zitiert!
Den Sohn Gottes? – oh ihr Kleingläubigen…
Wenn ein wahrer Mensch sich unter euch verirrt
könnt ihr’s nicht fassen, nennt ihn Gottessohn…
Mensch war er, Träumer und Idealist!
Ein Tagedieb und Aufrührer!
Die Frechheit hatte er, alle zu lieben.
Die Dummheit, euch zu lieben.
Was blieb euch übrig, als ihn zu kreuzigen?
Ungefährlich ist er euch nun –
anbeten könnt ihr ihn gefahrlos und
benutzen ihn für eure Verbrechen.
Und in seinem Namen könnt kreuzigen ihr die,
die ihm nachfolgen –
wußte er, was er tat?

————–

Golgatha III

Fort ist der Menschensohn – gegangen
ins Nichts, seinen Vater zu suchen.
Geborgen jedenfalls der Körper (Mühsam
nur geglättet aus der Verrenkung des Kreuzes) –
später Nutzen einer reichen Lobby.
Gerne gab statt der Statthalter dem Gesuch –
dem Waschen der Hände hinzufügend eine
weitere Geste des guten Willens. Gequält
von unzufriedenen Träumen der Mann, dern nachgab
politischem Sachzwang.
So viele Fragen noch offen an den Träumer, nicht
nur die, die durch die Zensur in die Schrift gelangten.
keine Antworten von der umgebenden Karrieremeute.
Nur Traumdialoge mit dem Einzigen, der
den Prokurator wagte
zu lieben.
Bis endlich gab das gequälte Gewissen
die ersehnte Antwort:
„Nein – keine Hinrichtung gab es, Freund – “
und weiter wandelten Philosoph und Pilatus,
Freunde im Disput, nur kurz
unterbrochen
von dem unliebsamen Zwischenspiel auf Golgatha…

————–

Leer ist mein Hirn
und keine Worte fallen
aus göttlichem Diktat mir
auf’s Papier

Fort ist die Muse
unter deren Kusse
wunderbar lyrische Gedanken
kamen mir

Und nur die Dichter-Sehnsucht
ist in mir geblieben:
zu schreiben

schreibend zu sehn
in mich
und in die Wirrnis meiner Zeit.

————–

Erschaudernd fiel aus Yggdrasil
dem alten Weltenbaum
ein altes Blatt, ein neuer Tag,
für mich ein neuer Traum.

Das Blatt ist längst zu Staub zerfallen
und neue Träume habe ich geträumt –
doch jenes eine aufzufangen
und ganz zu leben habe ich versäumt.

————–

Island

Stunden aus Lichtlosigkeit
zu Raum
Der Wind heult Leben in
die Felsen –
Auswurf einstiger Erbrechungen
Gaias –
dampfend vom Schweiß
eines schaffenden Gottes.

————–

Zitternd wie die Esche
aus deren Zweigen manchmal
taumelt hinab der glühende Himmel
in den wartenden See
ragt meine Rechte, aus der
Feder der Elster fiel sanft
in meine wartende And’re

————–

Immer noch Du
obwohl Dein Herbst längst
die Blätter zertrat
Im Nebel hallt Deine Stimme
noch dunkeler, sanfter
immer noch lockend
ins Ungewiß
Die Boten stürzen im Sumpf
Die Freisprüche lassen warten
doch wenn das Echo Deines Rufs
in meinen Gehörgängen hallt
irre ich wieder durchs Moor
auf der Such nach
meinem anderen Ohr.

————–

Ringe ziehen im Sein
ausstrahlen in Weiten
Wirken wie
der geworfene Stein
egozentrisch,
aber verströmend.
Nichts bleibt der Mitte als
unberührte Stille
spurlos dem Kenntnislosen
nachdem verlaufen die
Wellenkreise.
Nur der Wasserspiegel gehoben
ein Wenig.

Gehoben der Pegel
Erhöht die Menschheit
Ein Stück weiter dem
wahren Menschen
entgegen.
Ein Stück weiter geträumt –
und ins Wasser gefallen
der Träumer…

————–

Gemälde E. Schumachers

Zwischen schwarz geballtem Wahnsinn
Steigen Krallen schrill gen oben –
Graues Götterauge zu entweihen;
Gegen Süden drängt ein letztes Blau,
Das noch neben überdauert.
In den Ecken trauern Fratzen
Fetzen von zerlauf’nen Wesen
Trauern bis der schwarze Wahn
Auch sie über blanke Rahmen
drängt.

————–

An Rilke

In den Parken sitzt er träumend,
lauscht der Melodie von Wasserspielen,
sieht den stummen Steinen zu, den vielen
sieht die moosbewachs’nen Pferde, weiß, sich bäumend.

sieht die Marmorpaare, die, insich verschlungen,
seit Jahrhunderten sich lieben in der Schräge
während Wasser, grad zur Erd‘ gefallen, träge
sie umspülen, die sich fügen, notgedrungen.

Und dies alles faßt er unbegehrend
in ein Spiegeln seiner traumgewohnten Augen,
faßt es – und wirft es zurück –

wo es in den lauen Lüften,
die gefüllt sind mit des Herbstes Moderdüften,
leise mit der letzten Schwalbe flieht.

—-

Mit letzten Blütenblättern spielt ein Moderhauch,
und letzte Träume tanzen mit –
den Totentanz, hinüber ins Vergessen –
der Welt entgang’ne Worte sterben auch…

————–

Ich sehe dich, und sanft ein Lächeln
schwingt hin und her für uns
im leeren Raum.

doch bleibt es Traum,
der alte unerfüllte Traum,
der uns verschaukelt –
hin und her, im leeren Raum…

————–

Oh ihr Götter, oh ihr Armen!
Unbeschadet eurer aufgehob’nen Existenz
müßt ihr ertragen
mein ständiges Klagen
meines Zynismus‘ bittre Essenz…

Oh ihr Götter! Oh, ihr Armen!
Aber einer muß ja schuld sein –
und da ich es nicht war
und auch sie nicht
müßt halt ihr es gewesen sein…

————–

Wieder träumte ich von dir und deine Lippen
waren angespannt und wissend, als sie mir
gaben jenen ersten Kuß
der das Ende bereits in sich sog
wissend, daß das Schicksal lange uns belog
uns vorgaukelte noch Hoffnung
und der Liebe Glück
als der Trauer Boten waren schon
lange aus der Einsamkeit zurück.

————–

Neugier, Türen zu öffnen
an deren Pfosten man
lange wartend gelehnt –
( nicht sehend hinter dem Rücken die
manchmal aufgeschobenen Riegel – )

doch die Finger kribbeln
sie kennen das Knacken, mit dem
manche Türe schon
klemmte sie ein.
Und Körper und Geist,
müde gestützt aufeinander,
beraten Gefahren der Zugluft –
zögernd greift Luft nur die Hand,
die freudig geeilt schon zum Türgriff…

Gib, gnädiges Schicksal ihm jetzt
einen Tritt in den zögernden Arsch
daß er jenseits der Pforten erwache,
in sanften Gärten sich bessernd –
oder im Jenseits sich finde
mit einem gebrochnen Genick.

————–

Styx

Leicht ist es, zu überschreiten den Strom
im Geiste
wenn noch sicher auf sanft abfallenden Uferauen
der Weltschmerz
spielt

Etwas näher herangespielt – und der sichere Griff
klebrigen Lehms umfaßt die Füße.
Und dann Panik.
Und Zappeln.
Das Graun vor dem Ende.
Und unaufhaltsam näher die bleiernde Flut.

Doch manchmal gelingt es –
man zappelt sich los
und spielt weiter auf den Auen,
die schon fast wieder grün sind
entgegen dem Fluß.

————–

Was ich noch sagen wollte…
Nicht,
daß meine Worte Hülsen wären, die
mehr einschlössen als andre.
Nicht,
daß ich in sie Andres hineinlegen
wollte als Leere.
Doch –
ich wollte noch sagen,
daß
man mit genügend Leere
Nicht-Umschlossenes, Freies
sichtbar machen kann,
außerhalb der Worte –
sozusagen ein negatives Ausdrücken,
für negative Seher
Für Sehende.

————–

Gottwerdung

Zahnlos gähnt Leere des Himmels –
gefallen ist er, Parasit, Kuckuck
durchgefütterter Gott
aus dem krausen Nest menschlichen Gedankens.

Frei nun, bietet Platz die beschmutzte Wohnstatt –
wem doch?
Wann endlich, Götzendiener, wagst du es,
mit dir und deinesgleichen zu besetzen sie?
Wann wirst, Gedankenkrüppel du,
es endlich wagen
ohne die Glaubenskrücke transzendenten Über-Ichs
Dich selbst zu denken?

Götter seid ihr! – so
sprach schon der falsche Gott, wissend,
daß seine Zeit kam.
Wißt es! – und denkt daran,
daß ihr seid –
Menschen.

————–

Finster schattet Gewölk das bleiche Ziel
mancher Sehnsucht.
Selten nur blitzt ein Auge des neidischen
Gottes – vieläugigen – nieder zu uns.
Mißgünstig lastet Stille über
dem Gewölbe der Nacht.
Zertreten knirschen Worte über den Weg –
machtlos hier die Sprache, am Ende
die Kunst des Verschweigens.

————–

Weltuntergang

Die Frösche schweigen.
Nicht länger quakend
verkünden sie das Ende der Zeiten.
Steine flogen.
Schlafen wollte ein Einsamer.
Erschüttert schweigen die Frösche –
ihre Zeit hat geendet
mit dem Quaken
ihrer Sehnsucht.

————–

Immer noch erzählen die
Gebirgsflüsse
silberne Märchen
und Grillen zirpen hartnäckig
Liebeslieder.
vertrockneter Ginster –
zwischen ihn drängen sich
gelbe Blüten.
Hier endet nichts
und im Sprung der Forelle
zerstäubt meine Sehnsucht
in glitzernde Ringe.

————–

Welcher Schatten rannte
dort, an mir
vorbei
in Täler hinab?
Ihm nach stürzte ein Adler,
eine Schlange gerollt um
seine Halskrause –
der Alte war’s also.
Trieb es ihn wieder fort aus
seiner Berg-Einsamkeit?
Zog es ihn in die Niederungen
des Menschlichen?
Oder vernahm er wieder einmal das Gebrüll
des neugeborenen – Übermenschen?
Suche ihn nur, Alter! – ich
warte derweil
und freue mich deiner Höhle.
Wolltest Du mir nicht
den Weg bereiten?

————–

vielleicht nur der Regen,
geschwätzig auf’s Dach.
Vielleicht das Blut geschächteter Engel.
Vielleicht sind es Zugvögelschwärme,
sich erleichternd, gen Süden
düngend das Moos in den Dachrinnen.

Vielleicht onaniert ein gefrusteter Gott
und besamt von fern
die sich abwendende
Erde.
Vielleicht nur der Regen
geschwätzig auf’s Dach
Träume süß.

————–

Irgendetwas vergaß ich.
Es muß gewesen sein.
Rufe der Unken,
silbrig in eine unverstandene Nacht
Wischend feuchte Küsse des
Morgennebels.
die sehnsüchtige Umklammerung des
Tintenfischs, verdunkelnden.
Vergaß ich, die leere Bierdose ärgerlich
zusammenzudrücken?
Habe ich nicht gesagt,
daß ich bereits drei Tage
dieselbe Unterhose trage?

Das sei nachgeholt.
Aber irgendetwas
vergaß ich.

  1. (Anmerkung: recht frisch von alten Schreibmaschinenblättern abgetippt, daher garantiert fehlerhaltig []

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