Verschwörungspraktisch geschulte Menschen werden bei dem Namen vielleicht etwas zucken. „The Elders“ verleitet das Hirn sehr zu der Fortsetzung „…of Zion“. Und die „Protokolle“ dieser fiktiven „Weisen“ sind in der BRD nicht ohne Grund verboten.

Dabei geht es bei „The Elders“ um etwas ganz anderes. Vermutlich. Und auch gröbere Zionisten (oder Nazis) sind dort nicht vertreten. So weit wir die Menschen auf diesen Ebenen und ihre Hintergründe durchschauen.

Aber wovon fasele ich da eigentlich?

Kürzlich las ich so auf „Spiegel online“ herum, was mir ja immer eine besondere Freude ist. Da erregte ein Randartikel meine Aufmerksamkeit: Ex-US-Präsident Jimmy Carter habe einen Polizisten „niedergebrüllt“. Alter!! Kannst Du doch nicht machen!!!

Es stellte sich heraus, daß der Artikel gewohnt inhaltsarm und die Headline unsinnig reißerisch war. Carter nebst Entourage war in der Region Darfur / Sudan, wo das Bürgerkriegsgemetzel mangels Öl und interessanter anderer Rohstoffe jahrelang weitgehend von der Weltöffentlichkeit unbehelligt blieb und Hunderttausende Toter und unzählige Verstümmelte, Vergewaltigte und Heimatlose hinterlies, und wollte sich mit Vertretern von Flüchtlingsgruppen treffen. Der örtliche Polizeichef wollte das Treffen verhindern, und Carter ist wohl etwas laut geworden dem Schulterklappenträger gegenüber. Das Treffen fand statt.

Interessant war aber ein Nebensatz: Carter sei dort in seiner Funktion als Mitglied der „Elders“ gewesen. Was bitteschön? War mir entgangen.

Wenn man mal Google oder Technorati oder die Archive unserer investigativen Mainstream-Medien bemüht, – so scheint es, als hätte nicht nur ich das verpennt. Allenfalls ein mickriger Artikel findet sich, und der dreht sich meist noch in der Hauptsache um Nelson Mandelas Geburtstag, an dem im Juli diesen Jahres die Gründung der „Ältesten“ bekanntgegeben wurde. Und ein bißchen Herumgegeifere in sehr konservativen US-Blogs fand sich noch. Was meist eine Auszeichnung für die Begeiferten ist.

Wer sind sie nun, diese „Elders“? Und was wollen sie? Und was schert uns das?

Zwei haben wir schon genannt: Nelson Mandela, den man wohl nicht vorstellen muß und der zu den Hauptinitiatoren gehörte. Die Idee zu diesem globalen „Ältestenrat“ kam aber maßgeblich von Peter Gabriel. Und Richard Branson, dem britischen Milliardär, der den meisten wohl als durchgeknallter Rekord-Ballonfahrer ein Begriff ist. Beide sind aus naheliegenden Gründen nicht Mitglieder der Gruppe.

Denn diese ist den „Ältesten“ des „Globalen Dorfs“ vorbehalten. Und soll, übertragen ins 21. Jahrhundert, eine durchaus weise Institution alter Stammeskulturen wiederbeleben.

Während das aktive „Tagesgeschäft“ irgendwann übergeht in die Hände der noch von Ehrgeiz und Machtgeilheit getriebenen Jüngeren, übernehmen die alt und manchmal sogar weise gewordenen ehemaligen Anführer eine Beraterrolle. Stellen, ohne nach dem Ende ihrer „Karriere“ noch so sehr auf Selbstbestätigung oder Massenwirksamkeit angewiesen zu sein, ihre Erfahrung und ihre Abgeklärtheit den Jüngeren zur Verfügung. Wirken als Vermittler. Müssen nicht mehr gar so viel Rücksicht nehmen auf Interessensgruppen und Parteispielchen. Können helfen.

Zwölf sind sie aktuell. Ein dreizehnter Stuhl wird freigehalten: Aung San Suu Kyi steht seit Jahren in Burma unter Hausarrest. Die Friedensnobelpreisträgerin von 1991 wurde Ende September im Rahmen der Proteste und ihrer Niederschlagung erneut verhaftet.

Die anderen (Namen jeweils zum besseren Verständnis zum betreffenden Wikipedia-Artikel verlinkt) konnten ihre Sitze bei den bisherigen Treffen einnehmen:

Kofi Annan, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen und ebenfalls Friedensnobelpreisträger

Ela Bhatt, die bekannte indische Frauenrechtlerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises,

Gro Harlem Brundtland, norwegische Ex-Ministerpräsidentin und Präsidentin der Weltgesundheitsorganisation

Graça Machel, Menschenrechtlerin, First Lady von Mosambik (1975-1986) und Südafrika (1998-1999), sprich Frau Nelson Mandelas,

Mary Robinson, die einst streitbare erste PräsidentIN Irlands war, sowie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und seit 2002 Ehrenpräsidentin von OXFAM,

Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger und früherer anglikanischer Erzbischof von Kapstadt, einer der aufrechteren Pfaffen dieser Erde,

Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank (Mikro-Kredit-Konzept)

Li Zhaoxing, chinesischer Aussenminister 2002-2007

Lakhdar Brahimi, früherer algerischer Diplomat und UN-Sonderbotschafter im Irak

Fernando Henrique Cardoso, Präsident von Brasilien 1995-2002 und Mitglied des „Club of Rome“

Eine beachtliche Gruppe. Und, wie sie leicht selbstironisch über sich sagen, über 1000 Jahre menschliche Erfahrung.

Sicher darf man bei dem einen oder anderen eine Augenbraue heben und sich denken „naja, hat ja auch noch ganz schön was gutzumachen aus seiner aktiven Zeit…“.
Sicher muß man weder für alle Beteiligten, noch für die mit ihnen verknüpften Staaten und Organisationen (z.B. die durchaus umstrittene WHO oder die fragwürdigen Konzepte der „Grünen Revolution“, für deren Umsetzung in Afrika sich nun u.a. Annan einsetzt) irgendwelche Ikonen pinseln.
Es könnte mir sogar kurz einfallen, daß ich mit den 18 Millionen Spenden-Startkapital der Gruppe gut 36 Elfenwald-Projekte realisieren könnte.
Man könnte auch, wenn man zuviel Zeit und viel Skepsis in sich hätte, durchaus die Rolle dieses „Rates“ hinterfragen und über Beruhigungspillen, Deckmäntelchen, Lobby-Arbeit, die Gates-Stiftung und andere Alibis quatschen.
Man könnte es aber auch einfach mal lassen.

„The Elders“ sind ein Versuch, ein Projekt, und eine Gruppe von Menschen, die für ihre Sphäre der Macht ungewöhnlich integer (geworden) sind. Es ist eine Reminiszenz an die besseren Seiten oligarchischer Strukturen, von deren widerlichster Ausprägung wir tagtäglich umgeben sind. Es ist ein Aufblitzen von Weisheit in einer in Jugendwahn, Aggressivität und hirnloser Betriebsamkeit dahinwuselnden Welt. Es ist ein anrührendes, menschliches Projekt.

In einer Welt, in der „nichts ist wie es scheint“ muß man immer damit rechnen, daß unter rührender Nettigkeit und Lächeln die Fratze mieser Machenschaften zum Vorschein kommt.

Aber mein Bauch meint, das sei hier nicht der Fall. Bis zum Beweis des Gegenteils haben diese 13 Weisen meine Hochachtung. Muß sie nicht jucken, ist aber selten, daß ich so etwas sage.

Vielleicht ist ihr Wirken (und allein schon ihre Existenz und ihre Einstellung) Linderung für viele, die unter dem Wahn der aktiven Macht“eliten“ zu leiden haben. Vielleicht hat ihr Engagement, das sich v.a. auf vernachlässigte Konfliktregionen wie Darfur beziehen soll, tatsächlich Wirkung. Hebel, Drähte und Mittel haben sie genug.

Und vielleicht drückt ihr Beispiel auf ein paar Knöpfe in den falsch verdrahteten Gehirnen der heutigen „Führer“ und führt bei einigen zu vorzeitiger Altersweisheit…
Was sie treiben ist jedenfalls allemal besser, als wie Bush Senior „The Reptile“ weiter miese Spielchen zu treiben, wie Boris Jelzin ihre Pensionen (und mutmaßlich auch noch ein paar „andere“ Gelder) an der Cote Azur zu verfressen, Gaskonzerne zu promoten, oder sich in wohlbezahlten ehrendoktoralen Vorträgen zu ergehen…

Ich wünsche Euch ein langes Leben. Tut Gutes. Und redet ruhig etwas mehr darüber. Und ein paar Polizeichefs dürft Ihr ruhig auch noch zusammenbrüllen. Vielleicht auch mal den obersten Möchtegern-Polizeistaatschef der BRD…;-)

Ach so – warum sich die NeoCon-US-Blogger über die Gruppe mokierten? Weil das alles so „Liberale“ sind, also eigentlich Kommunisten. Und weil die so ein Schlitzauge mitspielen lassen. Aber wen interessiert das Geblubber schon…

„This group can speak freely and boldly, working both publicly and behind the scenes on whatever actions need to be taken. Together we will work to support courage where there is fear, foster agreement where there is conflict, and inspire hope where there is despair“
(Nelson Mandela)

Die Webseite der Ältesten: www.theelders.org
(Sie haben übrigens ein interessantes Logo – kam mir bekannt vor.)

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