Zu süß: dieser super recherchierte und logisch hieb- und stichfeste SPON PR-Artikel für die Filmindustrie. Die von pöööösen Raupgobierern alljährlich um 193 Millionen Euros erleichtert wird. Mindestens. Mit vorgehaltener „Raub“-Waffe, vermutlich.

Zitat:

„Jetzt gibt’s keine Ausreden mehr. Bisher konnten sich Befürworter illegaler Filmkopien stets damit herausreden, dass die Schauermeldungen über enorme Umsatzverluste ja von der Industrie selbst stammen, also ideologisch verfärbt seien. Jetzt aber hat ein Forscherteam der Uni Hamburg und der Bauhaus-Universität Weimar eine Studie veröffentlicht, …“

Geschwabbel. Hätte man sich zwei Minuten Zeit genommen, die Pressemitteilung und den vorgefertigten Text der PR-Agentur etwas nachzurecherchieren, wäre man über die Details zu jenem Weimarer Institut gestolpert. Das heißt nämlich dummerweise „Movie Success Center“, hat seine Webseite auf MovieSuccess.org und sagt über sich Dinge wie:

„By cooperating with leading film companies and engaging in dialogue with industry executives and creative personnel, we aim to provide practicioners with insights for improved economic decision-making and greater motion picture success.“

Oder an anderer Stelle:

Das MovieSuccess-Center ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Bauhaus-UniversitätWeimar. Damit sind für die Filmindustrie zwei wichtige Vorteile verbunden:
• Innovativität und Kompetenz. Wir verwenden anspruchsvolle wissenschaftliche und analytische Methoden wie ein repräsentatives proprietäres Panel von Filmkonsumenten, das für die Durchführung von Studien zur Verfügung steht.
• Kosten. Als Non-Profit-Einrichtung ist es uns möglich, wissenschaftlich interessante Studien zu niedrigen Kosten anzubieten.

Besonders der letzte Satz ist einfach geil. Freie Übersetzung: „Wir schreiben Euch für ein Taschengeld jeden Scheiß, stempeln das mit WISSENSCHAFTLICH ab, und den Rest müßt ihr nicht zahlen, das machen die, die wir in Eurem Auftrag verdummbeuteln“. Billig käufliche „Wissenschaft“? Wird immer wieder gern genommen.

Damit gibt es nun eine, maßgeblich von Steuergeldern finanzierte und gaaanz doll unabhängige „Studie“, die wissenschaftlich mäßig interessant die alten abstrusen Milchmädchenrechnungen untermauert, nach denen im Wesentlichen gilt:
Zahl der heruntergeladenen illegalen Kopien x Kinoeintritt = „Verlust“ der armen am Hungertuche nagenden Filmindustrie, die sich grad noch ein paar „Wissenschaftler“ leisten kann.

Daß die Herren Wissenschaftler sich nicht entblöden, das unsinnige Propaganda-Unwort „Raubkopierer“ * zu verwenden, gibt der Sache noch den letzten Schliff. Unternehmen Anbiederung geglückt, Folgeaufträge in Sicht.

Und Spiegel online? Die arbeiten schon hart am nächsten Wissenschaftsartikel:

„Endlich bewiesen! Unabhängige Studie der Microsoft Free Standards Foundation belegt: Vista 93% sicherer und 68% günstiger in den TCO als Mac OS X“

Jetzt gibt es fürwahr keine Ausreden mehr.

* „Raub ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen. Diese Tat ist in § 249 des deutschen Strafgesetzbuches normiert. Es handelt sich damit entweder um ein aus Diebstahl und Körperverletzung oder um ein aus Diebstahl und Nötigung zusammengesetztes Delikt. Zusammengesetzt bedeutet dabei nicht nur das kumulative Vorliegen der jeweiligen Merkmale, sondern auch deren Verknüpfung mittels Finalzusammenhangs im Vorstellungsbild des Täters.“
(Quelle: Wikipedia, Hervorhebungen von mir)

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