Lang her, daß ich mit Glatze und Designerbrillchen, mit Alfa-Spider und deutlich sechsstelligem Jahreseinkommen unterwegs war. Ich kann mich durchaus noch an den Reiz des Geldes erinnern, auch ein Abendesssen für ein paar Hundert Tacken ist nicht unbekannt, mitsamt Chateau Lafitzelhups und strohgelagertem Leckerkäse aus Fronkereisch zu die Nachtisch. Lecker, lecker.

Aber irgendwie haben sich die Kriterien für Lebensqualität doch sehr verschoben in meinem Leben. Und das hat weniger mit der aktuellen Abwesenheit von relevanten Geldmengen zu tun, als mit Innerem.

Fiel mir heute mal wieder so auf.

Flauschgräser kraulen den Luxuskörper... ;-)

Flauschgräser kraulen den Luxuskörper... ;-)

Das zum Beispiel ist Lebensqualität: wenn einem morgens, während man nackich mit Blechkanne und Kaffeetasse, die Morgensonne im Rücken, den Kaffeegeruch mit sich schleppend, in Richtung Liegewiese schlappt, um gemächlich, von „seinen“ Pflanzen umgeben, in den Tag zu gleiten, – wenn einem auf diesem ohnehin schon sehr angenehmen Gang auf dem schmalen Pfad durch den wilden Teil des Grundstücks lange, flauschige Gräser den Bauch streicheln.

Oder dieses: mein aktueller Lieblingsplatz ist – neben dem „Sofa“ aus Schweizer Armee-Krankentrage und zwei dicken Baumstamm-Stücken – eine britische Feldliege (zu meinem durchaus zweischneidigen Verhältnis zu gebrauchter Militär-Ausrüstung ein andermal).
Diese bodennahe „Hängematte“ habe ich nach anfänglichem Fluchen und einigen Verbesserungen geradezu liebgewonnen. Saubequem, billig, robust, leicht. Kann man drauf schlafen, dösen, frühstücken… etc.

Nur eines ging nicht: auf dem Bauch liegen. Ich hasse das. Platte Nase, oder wahlweise rechts oder links verknautschtes Genick. Oder wilde Kissenkonstruktionen, bei denen dann aber wieder der Nacken unangenehm überstreckt wird.

Also flugs zu Nagelschere und Nähzeug gegriffen, *schnippsel*, zwei Schnitte in Form eines auf dem Kopf stehenden Kreuzes (ohne daß das irgendwas mit Christen und sonstigen Todeskulten zu schaffen hätte…) in den Stoff, da, wo sonst der Riechkolben erfolglos nach frischer Luft bohrt; dann die Ränder ordentlich vernäht, von Hand, mit stabilem Barbour-Zwirn, die einreißgefährdeten Ecken besonders akribisch.



Und guggstu: Nase paßt. Endlich entspannt auf dem Bauch liegen. Göttlich. Und außerdem ist das Ding nun auch noch als Massageliege geeignet.

Was mich auf weitere Kriterien von Lebensqualität bringt… aber lassen wir das gerade mal, genug Glück für einen Tag… ;-)

P.S.: Um ideologische Fehlinterpretationen zu vermeiden – nein, man muß nicht arm sein, um glücklich zu sein. Sowas erzählt nur Rom – oder andere Wesen, die Sklaven brauchen. Man kann sich auch bei wohlgefülltem Geldstrumpf (Konten sind ja nicht mehr wirklich zu empfehlen…) von flauschigen Gräsern am Bauch kraulen lassen oder eine Feldliege anatomisch passend basteln. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun, allenfalls führt das oft mit Armut verbundene unhektische Leben dazu, daß man Dinge wieder wahrnimmt, für die man vorher einfach zu oft in „Meetings“ war…

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