Christian Klar ist eines der Relikte aus der Zeit, wo die RAF mutmaßlich noch „echt“ war und nicht das künstlich am Tropf der Geheimdienste hängende 3. Generation- „Phantom“, das der BRD-„Rechtsstaat“ zu seiner sukzessiven Selbstabschaffung und ganz nebenbei zur Ermordung einiger unbequemer Abweichler nützlich (er)fand.

In den letzten Wochen erhitzte die Debatte um die mögliche „Begnadigung“ einiger der letzten RAF-Überlebenden, die nicht Polizeikugeln oder den Stammheimer „Selbstmorden“ zum Opfer fielen, die Gemüter. Manche zumindest.

Heute wurden Auszüge aus einem Brief Klars bekannt, den er als Grußbotschaft an die Rosa-Luxemburg-Konferenz geschrieben hatte. Der Aufschrei der beflissen und fest auf dem Boden der FDGO liegenden Medien ist einmütig: „Unbelehrbar.“„Nichts gelernt“. Ach ja? Was hat CK denn Schlimmes geschrieben?

Der „Spiegel“, seit langem bemüht, durch schlampige (?) Recherchen und eine nur noch als Vorsatz zu deutende Tipp- und Grammatik-Fehlerdichte in seinen Artikeln seinem Ruf als EhNaMag („ehemaliges Nachrichtenmagazin“…) gerecht zu werden, zitiert einige Passagen – wenn auch aus dritter Hand. Denn der Brief liegt jemandem vor, der wieder jemandem vorliegt, und über den hat auszugsweise der „Südwestrundfunk“ etwas verlautbart.

Danach hat der pöse, pöse Ex-Terrorist u.a. geschrieben:

Es gebe ein imperiales Bündnis „das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln“.

Ja, und? Wo er recht hat, hat auch ein Ex-Terrorist recht. Selbst der „Spiegel“ erdreistet sich mittlerweile nicht mehr, den Überfall auf den Irak mit dem „Krieg gegen den Terror“, erfundenen Massenvernichtungswaffen oder den weltweit zunehmend unsichtbaren Phantomen „Demokratie“ und „Freiheit“ zu begründen. Oder den Nachkriegszustand substantiell besser im Vergleich zur Schreckensherrschaft Husseins zu nennen. Na gut, vielleicht noch der oberste Gunslinger Henryk M. Broder. Der lernt’s nicht.

Aber sehen wir weiter:

„Es muss immer wieder betont werden: Schließlich ist die Welt geschichtlich reif dafür, dass die zukünftigen Neugeborenen in ein Leben treten können, das die volle Förderung aller ihrer menschlichen Potenziale bereithalten kann und die Gespenster der Entfremdung von des Menschen gesellschaftlicher Bestimmung vertrieben sind.“

Hmmm – da kann man ihm eigentlich nur einen Vorwurf machen: ein hoffnungsloser Optimist zu sein. Die Welt ist leider noch nicht reif. Aber ansonsten ist das doch gar nicht so schlecht, oder? Er hat allerdings die Orgasmusbringer „Rendite“ und „Wirtschaftswachstum“ vergessen, daher kann eine solche Zukunft natürlich nichts sein.

Und was sagt ein anscheinend namhafter Freiburger Kriminologe dazu?

Jeder normale Bürger werde sagen, Klar sei unverbesserlich.

Na denn. Wußte ich’s doch. Ich bin nicht normal…

P.S.: ich halte den Weg, den die RAF seinerzeit einschlagen zu müssen glaubte, für falsch. Es ist sinnlos, einzelne Repräsentanten dieses Systems herauszumorden. Solange nicht die „normalen Bürger“ kapieren, was läuft (und zu deren Bewußtseinszustand muß man nur mal kurz im Spiegel-Forum die Debatte zu Klar / Mohnhaupt ansehen…), hat das keine Chance. Da endet man nur wie Che oder wie Grams… Dazu kommen noch „gewisse“ ethische Bedenken, ob und ab wann es denn wirklich „gerechtfertigt“ oder „notwendig“ ist, ein Menschenleben zu nehmen. Ich denke, diese Grenze war z.B. bei Schleyer nicht erreicht, obwohl der überzeugte Alt-Nazi und Vorzeige-Kapitalist diverser Kriegsverbrechen verdächtig und sicher kein Sympathieträger war.

P.P.S.: Na gut, manchmal arbeiten sie ja beim Spiegel doch noch und schaffen wenigstens die Quellen ran, statt nur DPA und AP abzuschreiben…

Nachstehend der gesamte Brief Klars, zitiert nach „Junge Welt“ vom 15.1.2007 (wieso ereifert man sich eigentlich JETZT erst darüber? Wovon will man ablenken?!

Liebe Freunde, das Thema der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz „Das geht anders“ bedeutet – so verstehe ich es – vor allem die Würdigung der Inspiration, die seit einiger Zeit von verschiedenen Ländern Lateinamerikas ausgeht. Dort wird nach zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen Besitzerklasse endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet.

Aber wie sieht das in Europa aus? Von hier aus rollt weiter dieses imperiale Bündnis, das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Die propagandistische Vorarbeit leisten dabei Regierungen und große professionelle PR-Agenturen, die Ideologien verbreiten, mit denen alles verherrlicht wird, was den Menschen darauf reduziert, benutzt zu werden.

Trotzdem gilt hier ebenso: „Das geht anders“. Wo sollte sonst die Kraft zu kämpfen herkommen? Die spezielle Sache dürfte sein, dass die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen „Rettern“ entrissen werden. Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen.

Es muss immer wieder betont werden: Schließlich ist die Welt geschichtlich reif dafür, dass die zukünftigen Neugeborenen in ein Leben treten können, das die volle Förderung aller ihrer menschlichen Potentiale bereithalten kann und die Gespenster der Entfremdung von des Menschen gesellschaftlicher Bestimmung vertrieben sind.

Ein bißchen zu viel linke Standard-Phrasen. Aber im Prinzip völlig richtig. Warum regen sich große professionelle PR-Agenturen dann so auf? Genau. DEShalb. Sie werden nicht gerne beim Namen genannt.
Kürzlich habe ich noch einmal „Die Drei Tage des Condor“ gesehen. Sehenswerter Film. Und bis heute richtig. Auch „Das Phantom“ könnte mal wieder kommen.

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