Ist es der alte Horror oder die Vorwegnahme des neuen? Werde ich langsam wahnsinnig oder ist es einfach die Erinnerung an Gewesenes, die von den Bildern geweckt wird? Können unsere Tränen das alte Leid, die alten Schulden wegwaschen, ein paar Körnchen vom Karmaberg der Menschheit fortspülen…

Kinder, in den Heldentod gehetzt. So lange gehirngewaschen von skrupellosen Daheimbleibern und aufrechten Journalisten, bis sie freiwillig sterben möchten und nicht einmal mehr in der Lage sind, das zu verstehen, was ihnen jemand erzählt, der draußen war und weiß, was abläuft in der Welt. Feigling, Feigling! Die Sinnlosigkeit des Verreckens. Die Entmenschung.
Der Schmetterling. Gerard Duval.

Ja, der alte Film ist durchaus suggestiv. Und doch wahr. Denn noch immer gilt: „Im Westen nichts Neues.“

Die Kinder heute werden in Kevlar verpackt und (einstweilen noch) ein wenig besser ausgebildet.
Und sie werden auch (einstweilen noch) nicht wieder in den gleichen Massen verschlissen.

Die Mechanismen sind immer noch die gleichen.
Und noch immer werden vorzugsweise Grünschnäbel knapp im Volljährigkeitsbereich in den Armeen der Welt eingesetzt. Nicht etwa, weil sie fitter wären oder schneller oder robuster, wie es immer behauptet und den Kindern eingeredet wird.
Ernsthafte „Security“-Firmen oder Söldnertruppen haben oft ein Durchschnittsalter von 40, das hat seine Gründe.
Der vorteil der Kleinen ist: sie sind leichter zu manipulieren, leichter zu fanatisieren. Sie glauben schneller. Und sie haben nicht das Rückgrat, im Zweifelsfalle „Nein“ zu sagen und nach eigenem, meist richtigeren Ermessen zu handeln. Und sie kosten weniger, als ein ausgereifter, erfahrener Kämpfer.

Es sind alte Bilder, ja. Und daß es mich immer zerreißt dabei, sei es nun der Wahnsinn der Westfront im 1. WK, sei es El Alamein oder die Normandie, ist mein Thema, ein jetziges oder – wahrscheinlicher – ein ebenfalls altes. Aber die Parallelen sind da, und auch wir werden noch Bilder sehen, auf die wir außerhalb des Fernsehens gut verzichten könnten.

Auf N24 läuft gerade mal wieder eine dieser Kriegsbegeisterung züchtenden „Dokus“: „In der Schußlinie – Kampfmaschinen der US-Armee“. Die USA verkünden, das Ziel nuklearer Abrüstung wieder zu den Akten zu legen (das ohnehin nur ein Lippenbekenntnis war). Und das Londoner Alien Tony the Lonely faselt neuerdings auch schon von Gott, wenn es um die Rechtfertigung seiner Kriegszüge geht. „Gott mit uns“ stand auch einst auf unseren Koppelschlössern. Der Gott des Talmud, der Bibel, des Koran, – das gleiche Monstrum. Nein, im Westen wirklich nichts Neues. Und auch nicht im Wesen des Westens.

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