Mag sein, daß es daran liegt, daß ich Menschen auf einem gewissen Level politischer Macht grundsätzlich nicht traue.

Wer da hochkommt, hat in 99,78% der Fälle eine sehr fleckenmittelbedürftige Weste. Und ein paar stinkende Leichen im Keller. Man hege seine Vorurteile. ;-) – Sie stimmen meist…

Gore ist für mich jedenfalls mehr mit -tex verbunden als mit Al-. Ich habe mich nie sehr intensiv für ihn interessiert.

Ja, da hat sich jemand sehr progressiv aufgeführt. Hat schon Bücher über den Zustand unseres Planeten geschrieben, als die meisten hier gerade mitten in der antigrünen Restauration, und das politische Amerika bis zum Anschlag im Enddarm der Ölindustrie steckte (was es immer noch tut, sofern es nicht ohnehin damit identisch ist).

Irgendwie bin ich bei diesem Menschen aber dennoch einen schalen Geschmack im Mund nie losgeworden. Hmm. Man muß nicht alles begründen. Habe mich jedenfalls nie recht für ihn erwärmen können, muhaaahaa, gutes Wortspiel… ;-)

Nun hat er den Friedensnobelpreis bekommen. Was’n Ding.
Meint auch die Koalition der Unwilligen, die sich jetzt ereifern.

Gerhard Wisnewski, gründlich im Anti-Klima-Rausch und mit der Promotion seiner diesbezüglichen DVD beschäftigt, belfert fast so unqualifiziert wie Michelle Malkin, diese Haß-Auftragsbloggerin der finstersten US-Zirkel, oder der tcheschhhischhhe (*zungesortier*, es ist spät) Präsident Klaus, der neulich in seiner unendlichen Weisheit verkündete:

„… that only Al Gore, and not a sane person, would say that mankind is ruining the planet…“

Nun ja, Klaus gibt sich ja auch gerne für Hetz-Anzeigenkampagnen des Heartland Institute her.

Eine lustige Allianz, die da jetzt kräftig Steine aus dem Treibhaus wirft. Und alle miteinander sehr durchsichtig motiviert. Wie sagte Klaus:

„It rather seems that Gore’s doubting of basic cornerstones of the current civilization does not contribute to peace.”

Klaus said in a recent speech that environmentalists’ efforts to halt global warming “fatally endanger our freedom and prosperity.”

Holy fuck. Freiheit und Wohlstand. Da sogst‘ nix mehr. Da ist ein freundschaftlicheres Verhältnis unserem Planeten gegenüber natürlich eine Gefahr. Und wie.

Die tragenden Säulen unserer Zivilisation? Guter Witz, Klausi.

Gores Klima-Propagandafilm enthält Fehler? Na doll. Unser Verhalten „unserem“ Planeten gegenüber enthält mehr davon, schon wesentlich länger, und wesentlich gravierender. Die Perversionen unserer Marktwirtschaft werden jedoch Schulkindern ohne richterliche Zensur und Zwangsannotationen eingetrichtert, im Gegensatz zu Gores Klimaschinken.

Kann schon sein, daß Gore-tex hauptsächlich heißen Dampf rausläßt. Das ist der Job von Membranen und Politikern.

Aber für ihn gilt das Gleiche, was ich neulich schon zum Klima-Hype als Ganzem schrieb: es ist unerheblich, ob unsere zusätzliche CO2-Produktion tatsächlich für die Erwärmung und ein mögliches klimatisches „Umkippen“ der Erde verantwortlich ist.

Es ist völlig irrelevant, ob die herzigen Eisbären einfach im Sturm ertrunken sind oder weil sie kein Packeis mehr finden konnten.

Es ist gut, wenn – notfalls mit den gleichen Mitteln der dämlichen, tränendrüsen- und instinktorientierten Propaganda, mit der „wir“ seit Jahrzehnten zu Erde und Menschheit mißhandelnden konsumgeilen und ellnbogenschwingenden Arschlöchern programmiert werden, gegenteilige Impulse in die Köpfe und Herzen hineinappliziert werden.

Gore ist ein „Heuchler„? So what. Knapp 100% seiner Kritiker noch viel mehr.
Und im Gegensatz zu ihnen ist er ein nützlicher Heuchler. Und ein relevanter.

Ich gönne ihm den Preis. Und auch die „Jury“ verdient Lob, daß sie nicht Junior-Alien Bush für die „Befriedung“ des Irak ausgezeichnet hat, sondern den Mut hatte, so ein Müsli-Thema wie Umwelt und Klima zum Thema zu machen, das, wie wir von tschechischen (ah, jetzt gings) Präsidenten gelernt haben, mit Frieden nix zu tun hat und sogar ganz doll gefährlich ist für unsere die „Zivilisation“ der Kriegsgewinnler.

Klatsch. Klatsch. Ein Bravo gen Schweden.
Auch wenn man zweifeln darf, ob es real etwas nützen wird.

Nachtrag: Apple, wo man nach den jüngsten Ärgerlichkeiten um User-Gängelung und iPhone-Despotentum wohl ein wenig am progressiven Image schrauben möchte (und nebenbei bemerkt ja wirklich für einen Milliardenkonzern vergleichsweise „sauber“ arbeitet und positive Ansätze unterstützt), hat aktuell seine (englische) Homepage Al Gore gewidmet:

Apple: Homepage-Hommage an Al Gore

Netter Zug. Kostet sie garantiert ein bißchen Umsatz bei den NeoCons. Und wird ihnen eine Menge böser Mails einbringen, so wie Google die Sputnik-Feier… ;-)

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