25. Okt 2007
Google ist groß. Google ist mächtig. Und Google dreht langsam durch in seinem Allmachtswahn. Das zeigt sich in vielen Dingen, nicht nur der wachsenden Zensur.
Für Webseitenbetreiber und Blogger am sichtbarsten war die unverschämte Pagerank-Abstrafung in den letzten Wochen, die auch mich mit meinen Seiten voll erwischt hat (Elfenwald-Hauptseite bislang PR4, jetzt 2, Blog von 3 auf 2 runter).
Worum geht’s?
Wenn man bei Google nach bestimmten Suchbegriffen sucht, tauchen manche Seiten gleich auf der ersten Seite auf, andere unter ferner liefen. Wer vorn liegt, hängt von vielen Faktoren ab, das genaue “Rezept” gibt Google verständlicherweise genausowenig preis wie Coca Cola… Ein ungefähres Maß für die “Wichtigkeit” einer Seite ist aber der sogenannte “Google Pagerank”, der eine Skala von 0 bis 10 umfaßt. Wer eine Null hat, ist auch eine (zumindest im Netz), die meisten privaten Seiten liegen bei 1 bis 3, besser besuchte, die von vielen anderen Seiten verlinkt werden, rutschen dann langsam die Leiter hoch…
Der Pagerank gilt außerdem unter Werbetreibenden als eines der Kriterien, was Werbung auf einer bestimmten Webseite “wert” ist. Bislang galt da ziemlich ungebremst: höherer Pagerank = mehr Kohle.
Das führte teilweise zu Mißbrauch: so wurden völlig sinnbefreite Links “verkauft”, und umgekehrt wurden reine Werbeseiten blitzartig ungeheuer “populär”, weil sie massig hochrangige Backlinks eingekauft hatten und daher von Google sehr schnell hochgestuft wurden.
Das schrie nach Korrekturen. Was Google jetzt allerdings veranstaltet hat, ist keine Korrektur, sondern ein Witz. Und ein sehr offensichtlich motivierter Witz – es geht um Wettbewerbsverzerrung.
Was hat Google gemacht?
Alle Seiten, auf denen Werbe-Links (z.B. von LinkLift oder Text-Link-Ads) auftauchen, oder die bezahlte Blogartikel (z.B. von ReviewMe oder Trigami) enthalten, wurden augenscheinlich mit einem Pagerank-Malus belegt, teilweise wurden Seiten gleich um mehrere Stufen degradiert.
Und zwar völlig unabhängig davon, ob es sich um dümmliche reine Werbeseiten handelte, oder um Seiten wie meine, die sinnvollen Content bieten, sich aber – völlig legitimerweise – über Werbung finanzieren, dabei nur thematisch passende Links verkaufen, und bei denen die bezahlten Blogartikel klar gekennzeichnet (und übrigens trotzdem redaktionell knallhart eigenständig) sind.
Natürlich, – die merkbefreite “Werbung auf Webseiten ist BÖÖÖÖSE”-Fraktion (siehe dazu mein älterer Artikel) denkt auch in diesem Fall nicht und jubelt. Was soll der Quatsch?
Wertet Google auch das nun wirklich werbeverseuchte “Spiegel online” ab? Oder etwa sich selbst, den größten “Link-Verkäufer” des Planeten?
Denn damit sind wir am entscheidenden Punkt: “gekaufte Links” sind genauso “Werbung” wie jede andere auch. Zum Beispiel wie AdSense, diese kleinen Google-Anzeigen, die – noch – auch meine Seiten “zieren” und auf denen Googles Milliardenumsätze basieren.
Natürlich mußte Google etwas an seinen Bewertungskriterien herumschrauben, um wirklichen Mißbrauch der wilden Linkerei einzugrenzen. Man hat aber den Kahlschlag angesetzt, um damit gleich der Konkurrenz, die immer stärker wird in letzter Zeit, ordentlich vor den Bug zu schießen.
Viele Blogbetreiber, die mit AdSense nur noch Cents verdienen, haben in den letzten Monaten attraktivere Modelle integriert, wie eben LinkLift, sind zu Contaxe gewechselt (die das gleiche machen wie Google), haben bezahlte Blogartikel aufgenommen wie die Trigami-Rezensionen. Alles deutlich lohnender als AdSense, und auch für den Kunden attraktiver, da er mehr Effekt und Besucher bekommt als über AdWords, und bei Rezensionen ggf. gleich noch knallharte Kritik und Verbesserungsvorschläge erhält.
Übrigens auch für Besucher attraktiver – denn diese Werbung ist im Gegensatz zu AdSense, das nur grob an den Inhalt der Seite angepaßt wird und vom Seitenbetreiber kaum zu beeinflussen ist, inhaltlich relevant und vom Webmaster ausgewählt. Also manchmal geradezu gut und sinnvoll.
Was macht man also als ordentlicher Monopolist in einer solchen “Notlage”?
Man nutzt skrupellos seine Doppelposition als größter Besucherlieferant und größter Linkdealer aus.
Man bestraft alle, die Werbung von der Konkurrenz auf ihren Seiten haben. Ganz einfach. Sinkt der Pagerank einer Seite, so sinkt auch ihr Wert für Werbeschaltungen, Webmaster sollen so von der Konkurrenz zu AdSense zurückgetrieben werden.
In einigen Fällen scheint Googles Konzept aufzugehen: eilfertigst haben diverse Blogger in den einschlägigen Foren angekündigt, keine “Links mehr zu verkaufen”, sprich keine Nicht-Google-Werbung mehr auf ihren Seiten zu schalten.
Schade, daß unsere Wettbewerbshüter noch damit beschäftigt sind, “das Internet” zu begreifen, und, soweit sie die ersten Hürden dabei genommen haben, sich mit Impressumsfehlern zu vergnügen…
Es wäre sinnvoller, mal diesen selbstherrlichen Gestalten bei Google kräftig auf die Finger zu schlagen.
Ich persönlich werde übrigens meine Werbepolitik auf meinen Seiten völlig unbeeindruckt weiterverfolgen und genau die Werbung schalten, die ich für richtig halte. Auch wenn durch Googles Willkür die Preise für Links auf meinen Seiten vorübergehend auf ein Viertel gefallen sind – sie bringen immer noch mehr ein als ein vergleichbarer AdSense-Block.
Wenn hier also etwas rausfliegt, dann ist es AdSense – falls Google nicht in den nächsten Wochen diesem dümmlichen Pagerank-Kahlschlag Korrekturen folgen läßt. Ich neige ohnehin immer mehr dazu, auch auf den Traffic, den Google mir liefert, dankend zu verzichten.
“Kiss the Search Engines Goodbye”, wie ein nicht unbekannter Internet-Marketer schon vor einiger Zeit schrieb (das e-Book ist übrigens gratis und lesenswert für alle, die kommerziell im Web unterwegs sind).
Man könnte es auch etwas deutlicher ausdrücken:
“Google: SIOOMA!”. Und wer das Kürzel nicht kennt, kann es ja mal “googlen” – z.B. bei AllTheWeb.
6 Kommentare zu "Google – ein Fall für die Wettbewerbsaufsicht?"
[...] ich mußte mich in meinem “Hauptblog” breit und böse zu der unverschämten “Pagerank Abstrafung” durch Google in den letzten Wochen auslassen. Lesen und ggf. bitte Feedback hinterlassen, wenn Ihr [...]
[...] versucht ja gerade mal wieder ähnliches – aber die sind ein paar Nummern größer. Und selbst die tun sich damit keinen [...]
Guter Artikel über die Google Doppelmoral bzgl. Linkverkauf.
Aber die Adsense haste auch trotz der immer noch strahlend weissen Toolbar PageRank Anzeige ja immer noch drin – gab´s da nen Sinneswandel?
Agesehen davon – der angezeigte Toolbar PageRank hat ja glücklicherweise nix mehr mit Google Ranking Positionen zu tun & ist daher auch gut entbehrlich ;-)
Anmerkung MH:*lach* – ja, mir fällt es immer schwerer, mich wirklich und dauerhaft über etwas aufzuregen, was nicht wirklich wichtig ist… und da ich ebenfalls festgestellt habe, daß der PR nix mit Besucherzahlen oder Suchergebnis-Ranking mehr zu tun haben scheint, war’s mir dann auch schnuppe. Außerdem laufen die Google Algos grad eh Amok: während alle meine relevanten Seiten bei PR0 gelandet sind, ist ein lustiges halbautomatisches Blog mit weniger als 20 Einträgen und zahlreichen Amazon-Links auf Wordpress.com innerhalb von 6 Wochen auf PR4 gestiegen, praktisch ohne Backlinks… WTF???
Bei mir haben die unrelevantesten Seiten auch gerade den höchsten PageRank (4-5) & die mit Top-Keywords bestens gelisteten nur nen PR 0-3.
Wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt irgendwelchen dusseligen PageRank Junkies jetzt ihre vermeintlich wertlosen Projekte abzukaufen ;-)
Anmerkung MH: yep, keine schlechte Idee. Als SEO-Profi sollte man übrigens bei Kommentaren seine URL richtitsch eintippen. Sonst Backlink Arsch. ;-) – ich hab das oben mal von seo-marketing.blog.de auf seo-marketing-blog.de korrigiert. War hoffentlich in Deinem Sinne… ;-))
Hihi, Danke Dir, dass Du meinen BL entarscht hast – peinlitsch, peinlitsch – kommt aber ja in den besten Familien wohl mal vor ;-)
Big Brother straft und wer weiß warum, eine Abstrafung von 4 auf 0 und ohne gekaufte Links etc. aber wohl keine Google konforme Werbung auf z.B. Presseonline Artikeln… Wird Zeit, dass das die Wettbewerbsaufsicht eingeschaltet wird….
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