Seit kurzem rauche ich wieder. Pfeife. Habe ich vor über zwanzig Jahren im Internat angefangen. Zwischendurch einige Jahre wenig Lust, Muße und Geld für guten Tabak gehabt. Aber jetzt wieder Lust bekommen.

Und da ich nach dem Erwerb einiger Päckchen Tabak (inkl. satter Subventionierung der bankrotten Bankenrepublik D) erstmal den fetten schwarzen Filzstift zücken mußte, um diese hanebüchenen Todesbotschaften zu übermalen, muß ich doch mal eine kleine Polemik zum Anti-Rauch-Extremistentum absondern.

Eines vorab: ich finde Nichtraucherzonen, z.B. in Cafes oder Restaurants, ein Muß, sitze auch selbst bevorzugt dort (ohne Pfeife ;-) ). Ich finde es selbstverständlich, daß mensch anderen Menschen nicht ungefragt seinen Qualm, den der Andere vielleicht weniger genießt, ins Gesicht bläst. Und alles Folgende bezieht sich auf maßvolle, bewußte Genußraucher (sprich Pfeife, Zigarre, und ein paar der genüßlichen Selberdreher), die ohne Schuld und Sünde, ohne Opfergetue und mit einem Beigeschmack von spirituellem Räucherritual rauchen.

„Süchtige“ aller Art sind einfach: Süchtige. Und daran ist seltenst das Suchtmittel „schuld“, sondern eine vermurkste Gesellschaft, kaputtes Selbstwertgefühl, Unsicherheit, Nichts-mit-seinen-Händen-Anfangen-Können (Tip: mal knapp unterhalb der Körpermitte suchen, kann man auch mit rumfummeln), und derlei mehr. Die Wahl des Mittels (Alkohol, Zigaretten, Fressen, Casino/Börse, Geld, Macht, whatever), mit dem das Suchtpotential gefüllt wird, ist dabei häufig rein willkürlich. Wer also hektisch mit Kippen rumfummelt, um sich zu beschäftigen, wer „light“ und mit Filter raucht, weil das ja „weniger schädlich“ sei (was übrigens falsch ist), wer „gerne aufhören würde“ – bei diesen Menschen liegt das Problem nicht beim Tabak, sondern in ihnen selbst. Und in einer hektischen, menschenverachtenden Realität, die verständlicherweise viele nur noch unter Dauerdrogeneinsatz ertragen.

Aber auf diese Faktoren geht die offizielle Politik natürlich wohlweislich nicht ein.

Und auch ansonsten ist der Umgang mit dem Tabak-Thema, wie er seit ein paar Jahren forciert wird, einfach nur ein unsäglich bigotter, verlogener und schwachsinniger Witz.

Stichpunkte:

Abzocke. Wenn ich etwas wirklich beseitigen will, weil ich es für schlecht halte, muß ich es verbieten. Ende, Banane. Ein Witz ist es, einfach nur verstärkt die Hand aufzuhalten, möglichst auch noch in stufenweiser Erhöhung, damit der Frosch nicht etwa aus dem heißen Wasser springt… Abstoßend. Aber irgendwo muß die Kohle für Ackermann, Mehdorn & Co ja herkommen… Und es geht ja nicht wirklich ums Aufhören, sondern ums Melken und ums Schüren des schlechten Gewissens.

Schizophrenie. Ist ja in der Politik nichts Besonderes, und auch erklärtes Ziel bei der Manipulation der Menschen. Wer etwas zugleich will und als „böse“ empfindet, weil man es ihm so eingetrichtert hat, ist in der Breduille. Kirche und Sex. „Sünde.“ Alter Trick. In der Politik äußert sich das nicht nur in der steuerlichen Abzocke – während die EU völlig verblödete Anti-Nikotin-Kampagnen wie diese hier finanziert, wird gleichzeitig der Tabakanbau in Europa noch bis mindestens 2010 subventioniert. Hmmmm, wir verstehen. Rundherum sinnvoller Einsatz von Steuergeldern. Gleich mal die Rauchersteuer erhöhen.

Dämlichkeit. Die Folgen des Rauchverbotes haben ja mittlerweile für genügend Lacher und Zorn gesorgt. Ich habe das noch Ende letzten Winters in München mitbekommen – das einzige Resultat waren zahlreiche frierende Kippenraucher, die auf den Bürgersteigen im Weg rumstanden, den Passanten ihren Rauch ins Gesicht bliesen und noch mehr Filterstummel als sonst auf Straße und Gehweg verteilten. Und sich offensichtlich vor lauter Lebensfreude kaum halten konnten… geht’s bekloppter?

Böswilligkeit. Man sollte eigentlich davon ausgehen können, daß im „Gesundheits“-Ministerium weder Dreijährige noch Analphabeten sitzen. Auch ein Mindestmaß an Allgemeinbildung inkl. ein bißchen Populärpsychologie könnte man voraussetzen. Aber offensichtlich irrt man. Oder man müßte die Verantwortlichen wegen fahrlässiger Tötung oder auch vorsätzlichem Mord in Tausenden Fällen anklagen. Warum? Die Wirkungsweise von Affirmationen ist jedem Psychologie-Drittsemester und den meisten anderen halbwegs belesenen Menschen bekannt. Eine der grundsätzlichen Weisheiten im Umgang mit Affirmationen lautet: keine negativen Formulierungen, keine Verneinungen. Erstere gehen fast immer nach hinten los, letztere auch. Kapieren nämlich unsere unbewußteren Wesensschichten nicht.

Ähnlich wie Hund. „Nein!“ is klar. Aber „Geh nicht aufs Sofa“ heißt: „Geh aufs Sofa“. „nicht“ gibts nich. Und warum gibts dann wieder Geschimpfe und Gehaue, wenn ich befehlsgemäß aufs Sofa gehe? Eben. Menschen doof.

Und welche Wirkung hat es, wenn ich schlaue (falsche) Sprüche wie „Rauchen tötet“ oder „Rauchen verursacht tödlichen Lungenkrebs“ auf Zigarettenpäckchen und Tabaksdosen drucke? Richtig. Wer bislang fröhlich und genüßlich geraucht hat, wird unterschwellig durch permanente Präsenz dieses Schwachsinns darauf konditioniert, daß er asozial ist, süchtig, ein Nichts, ein Mörder. Und daß er jetzt sterben muß. Gut gemacht. Klatsch, klatsch. Aber wie heißt es so schön: „Denken macht sehr schnell abhängig. Fangen Sie lieber erst gar nicht damit an.“

Durchsichtige Taktik. Wieso gibts die Sinn(los)sprüchlein eigentlich nur auf Tabak, aber nicht z.B. auf Alkohol, dessen Auswirkungen persönlich, gesundheitlich und gesellschaftlich viel heikler sind? Weniger als der noch schlimmer kriminalisierte Hanf, aber dennoch, hat Tabak – um Kant zu zitieren – tendenziell die Eigenschaft, den Geist zu schärfen. Allohohl dagegen macht in den meisten Verabreichungsformen dumpf, stumpf und macht dadurch ein wenig erfreuliches Leben vermeintlich erträglicher. Und das dumpfe Herdenvieh ist besser handhabbar. Also beläßt man es bei Alkohol bei satter Extra-Steuer-Abzocke, versucht aber nicht, fröööhlichen Trinkern auf jedem Flaschenetikett baldiges Sterben oder gar Aufhören nahezulegen…

Zu gesundheitlichen Schädigungen durchs Rauchen: ok, wenn man’s übertreibt, ist Rauchen eine zusätzliche Belastung für den Organismus. Aber die gelegentlichen Folgen sind weder sauber darauf untersucht, ob sie nicht vielmehr in Zusammenhang mit den psychischen Voraussetzungen des „abhängigen“ Schuld-und-Sünde-Zigarettenrauchers stehen, noch treten sie zwangsläufig ein, wie es gerne dargestellt wird. Genaugenommen treten sie meist nicht auf, zumindest die rabiateren Versionen wie Lungenkrebs und das sog. „Raucherbein“.

Außerdem: viele Dinge stellen unseren Körper und Geist vor mehr oder minder unnütze Belastungen und Herausforderungen. Leckere Leberpate etwa. Oder wenig lustige Büroarbeit. Oder Mobiltelephone und Elektrosmog. Industrieabgase. Substanzlose „Nahrungsmittel“. Mikrowellen. Atomkraftwerke. Autoverkehr. Fluor-Zahncreme. Dauerberieselung mit medialem Schwachsinn. Mehr als 5 Sekunden einem Merkel-Interview zuhören. Alles tödlich. Auf Dauer und in zu hoher Dosierung. Und überhaupt: wenn es irgendwann mal rum ist, ist es halt rum und die fröhlich verlebte Hülle wird abgelegt.

Klar- wenn ich fünf Pfeifen am Tag rauche, huste ich etwas mehr als sonst, mein Kreislauf zickt ein wenig, und je nach Tabak und paralleler Ernährung übersäuert der Magen. Nu, dann wird halt etwas weniger geraucht, und gut is. Bei anderen liegt die Grenze, wo der Genuß mit ärgerlichen Nebenwirkungen verbunden ist, vielleicht höher oder niedriger. Geht keinen was an, entscheidet jeder selbst.

Außerdem ist ja selbst in der Politik bekannt, daß die tausenderlei schweinischen Beimischungen, mit denen zumindest die großen Zigarettenkonzerne den Tabak verderben, einen guten Teil der Gefährlichkeit ausmachen (Tip: „American Spirit“, Drehtabak, gibts auch aus traditionell und „bio“ angebautem Tabak und ist fast ohne Beimischungen).

James Galway (seines Zeichens ein „Sir“, Pfeifenraucher, genannt der „Mann mit der goldenen Flöte“ und einer der begnadetsten Flötisten unserer Zeit) ist übrigens sicher ein guter Beleg für die atemschädigenden Wirkungen des Pfeifenrauchs, *lach*

Überhaupt: Tolkien, Günther Grass, Immanuel Kant, Bertrand Russel, Albert Einstein, Konrad Lorenz (datt war der mit den Wildgänsen…), Jean-Paul Sartre…. und, und, und…

Casals - 97 Jahre mit Pfeife und Cello

Menschen, an die man sich im Gegensatz zu Brüsseler und Berliner Raucherjägern noch lange erinnern wird. Und die mit der Pfeife im Mund nicht nur ein beachtliches Opus geschaffen haben, sondern auch hochbetagt und in den seltensten Fällen an „Lungenkrebs“ verstorben sind.

Was haben wir noch? Ach ja, Rauchen macht impotent. Hätte uns Simone de Beauvoire mutmaßlich drüber informiert. Sartre war weder für geistige Dumpfheit noch übermäßige sexuelle Enthaltsamkeit berühmt. Der großartige Mensch und Cellist Pau Casals war in den rund 97 Jahren seines Lebens selten ohne Pfeife oder gelegentlich Zigarre zu sehen, hat noch mit Anfang 90 konzertiert, war ein Vulkan von Vitalität und hat noch im hohen Alter eine sehr junge Dame geheiratet –  rein platonisch war soweit wir wissen auch dieses Verhältnis nicht… Auch mir ist dergleichen übrigens nicht bekannt, der Druck auf den Eiern läßt keineswegs durchs Pfeifenuckeln nach, auch die vielbeschworene „Verwechslung des Pfeifenmundstücks mit der Warze“ kann ich nicht bestätigen. Frauenbrust durchaus immer noch spannend und im Zweifelsfall auch spannender als Pfeife. ;-)

Langer Rede kurzer Sinn: haut den Manipulatoren und Krankmachern, den Verbietern und lustfeindlichen Schuld-Einredern aufs Maul oder ignoriert sie. Kauft Euch nen dicken schwarzen wasserfesten Filzstift.

Und genießt fröhlich Euer Pfeifchen (z.B. mit Ashton Old London Pebble Cut, Lotus, Peterson Irish Flake oder Dunhill Nightcap ;-) ) oder eine gute Zigarre. Dazu, wer es sich noch leisten kann, einen guten Cognac, oder ein Gläschen Lagavulin. Und ein wenig gute Musik, z.B. Casals:

Schönen Sonntag!

P.S.: hatte mich schon mal mit dem Thema befaßt, ein etwas zusammenhängenderer, teils redundanter Artikel findet sich im Elfenwald-ABC

P.P.S.: Pfeifenraucher und Pfeifensammler – stöbert mal auf meinen Seiten zu gebrauchten Pfeifen, Pfeifen-Auktionen und Sammler-Estate-Pipes!!

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