Archiv vom Juli 2008

Lang her, daß ich mit Glatze und Designerbrillchen, mit Alfa-Spider und deutlich sechsstelligem Jahreseinkommen unterwegs war. Ich kann mich durchaus noch an den Reiz des Geldes erinnern, auch ein Abendesssen für ein paar Hundert Tacken ist nicht unbekannt, mitsamt Chateau Lafitzelhups und strohgelagertem Leckerkäse aus Fronkereisch zu die Nachtisch. Lecker, lecker.

Aber irgendwie haben sich die Kriterien für Lebensqualität doch sehr verschoben in meinem Leben. Und das hat weniger mit der aktuellen Abwesenheit von relevanten Geldmengen zu tun, als mit Innerem.

Fiel mir heute mal wieder so auf.

Flauschgräser kraulen den Luxuskörper... ;-)

Flauschgräser kraulen den Luxuskörper... ;-)

Das zum Beispiel ist Lebensqualität: wenn einem morgens, während man nackich mit Blechkanne und Kaffeetasse, die Morgensonne im Rücken, den Kaffeegeruch mit sich schleppend, in Richtung Liegewiese schlappt, um gemächlich, von „seinen“ Pflanzen umgeben, in den Tag zu gleiten, – wenn einem auf diesem ohnehin schon sehr angenehmen Gang auf dem schmalen Pfad durch den wilden Teil des Grundstücks lange, flauschige Gräser den Bauch streicheln.

Oder dieses: mein aktueller Lieblingsplatz ist – neben dem „Sofa“ aus Schweizer Armee-Krankentrage und zwei dicken Baumstamm-Stücken – eine britische Feldliege (zu meinem durchaus zweischneidigen Verhältnis zu gebrauchter Militär-Ausrüstung ein andermal).
Diese bodennahe „Hängematte“ habe ich nach anfänglichem Fluchen und einigen Verbesserungen geradezu liebgewonnen. Saubequem, billig, robust, leicht. Kann man drauf schlafen, dösen, frühstücken… etc.

Nur eines ging nicht: auf dem Bauch liegen. Ich hasse das. Platte Nase, oder wahlweise rechts oder links verknautschtes Genick. Oder wilde Kissenkonstruktionen, bei denen dann aber wieder der Nacken unangenehm überstreckt wird.

Also flugs zu Nagelschere und Nähzeug gegriffen, *schnippsel*, zwei Schnitte in Form eines auf dem Kopf stehenden Kreuzes (ohne daß das irgendwas mit Christen und sonstigen Todeskulten zu schaffen hätte…) in den Stoff, da, wo sonst der Riechkolben erfolglos nach frischer Luft bohrt; dann die Ränder ordentlich vernäht, von Hand, mit stabilem Barbour-Zwirn, die einreißgefährdeten Ecken besonders akribisch.



Und guggstu: Nase paßt. Endlich entspannt auf dem Bauch liegen. Göttlich. Und außerdem ist das Ding nun auch noch als Massageliege geeignet.

Was mich auf weitere Kriterien von Lebensqualität bringt… aber lassen wir das gerade mal, genug Glück für einen Tag… ;-)

P.S.: Um ideologische Fehlinterpretationen zu vermeiden – nein, man muß nicht arm sein, um glücklich zu sein. Sowas erzählt nur Rom – oder andere Wesen, die Sklaven brauchen. Man kann sich auch bei wohlgefülltem Geldstrumpf (Konten sind ja nicht mehr wirklich zu empfehlen…) von flauschigen Gräsern am Bauch kraulen lassen oder eine Feldliege anatomisch passend basteln. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun, allenfalls führt das oft mit Armut verbundene unhektische Leben dazu, daß man Dinge wieder wahrnimmt, für die man vorher einfach zu oft in „Meetings“ war…

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… und ein neuer Mythos verbreitete sich unter den Schnecken des Landes.

Ein Tabu, ein mächtiges Tabu, umgibt die Sonnenblumen und Topinambur, die zarten Keimblättchen frisch ausgesäter Pflänzlein, alles, was neu ist im Himmelreich… wer in der Nähe erwischt wird, ist verloren.

Erbarmungslos saust die Sichel der Götter hernieder und zerteilt den Frevler. Am Morgen, am Abend, und auch am nächsten Tag. Manchmal ist es auch ein Bayonett, russisches Modell, AK74… ist aber der gleiche Gott, Kumpels. Mangels Blitzen nimmt man halt, was da ist und scharf. Nur um den Komposthaufen herum ist heiliger Boden, dort ist man sicher als Schnecklein…

Nee, nee… bin ja ein Freund (fast) aller Wesen, rede mit ihnen, versuche, sie zu verstehen, ihre Bedürfnisse und meine unter einen Hut zu kriegen. Mit manchen klappt das ganz gut. Aber manche sind nicht wirklich kooperativ, und verhalten sich zudem ziemlich menschlich arschlochmäßig. Nicht etwa hier ein Blatt anknabbern, und dort ein anderes, Pflanze stehen lassen, damit morgen auch noch was da und der Mensch, Biene und Hummel sich vielleicht noch an der Blüte freuen können und die Vögel im Herbst Körner kriegen.

Nö. Nix Nachhaltigkeit. Fuck da future.

Vier Mann ran an den Stiel der Sonnenblume, unten bibermäßig rundrum annagen, fällen, dann ein bißchen Blätter und Blüten abfressen. Und tschüß.

Schleimbeutel, elende.

Irgendwie sind es obendrein sehr viele in diesem Jahr. Liegt sicher auch mit daran, daß ich hier etliches verändere, das Gleichgewicht verschiebe, Rodungen anlege, Kulturpflanzen ins Wildgewächs mische. Aber egal – es SIND einfach sehr viele. Und ich lebe jetzt auch hier, und da ich der dickste und größte bin im westlichen Bundesstaat des Himmelreichs, gilt im Zweifelsfalle mein Gesetz. Punkt. ;-)

Und da weder Igel noch chinesische Laufenten in Sicht sind, um das Gleichgewicht auf „natürliche“ Art einzuregeln, mache halt ich den „Freßfeind“. Nur ohne Fressen. Dafür wären höchstens die Weinbergschnecks zu gebrauchen, aber ich bin da nicht nach meinen französischen Ahnen geraten… und außerdem habe ich die Handvoll Weinbergschnecken, die hier unterwegs sind, gerade erst von zwei Käffer weiter mit dem Rad herbefördert („Freiwillige für das Himmelreich? Ja??? Freiwillige????!!!“), damit sie sich über die Gelege der Nacktschnecken hermachen können…

Tja, bei allem Baumumarmertum und der hohen universellen Liebe – wer lebt, und nicht nur nicht-ist, greift ein, verändert. Und regelt dann nach, so gut er kann und es versteht. Wenn es wieder ein gesundes Maß von den Kriechern gibt, kann ich auch wieder liebevoll amüsiert ihre Stielaugen und ihre bauernschlaue Art beobachten und überlasse ihnen gerne ein paar Prozent von Salat und Radieschen.

Aber im Moment übertreiben sie – und ich trainiere Härte und töte sie. Nicht gern, aber mit Ingrimm.

P.S.: ein paar Boten der Liebe werden sich sicherlich schockiert abwenden oder mahnend den Karma-Finger heben. Ist ok. Das ist der Unterschied zwischen Selbermachen mit aller Konsequenz einerseits – und (schneckenfraßfreien) Bio-Salat im Laden kaufen und sich lieber keine Gedanken machen, warum der wohl frei ist von Schneckengeknabber, andererseits… Andere Methoden sind entweder weniger effizient (wie das fröhliche Schneckenbiertrinken auf dem Bild von Michel) oder alles andere als „netter“ (wie das beliebte „Schneckenkorn“). Ich bevorzuge da das archaische „Hack-druff“. Und freue mich auf nächstes Jahr, wo sich das Gleichgewicht hier wieder eingependelt haben dürfte, und mindestens ein schmatzender Igel sich der Schnecks annehmen wird… ;-)

P.P.S.: Mittlerweile ist es wieder halbwegs erträglich, der Artikel ist ein paar Wochen alt. Aber insgesamt haben die pööösen Purschen diesen Sommer 80-90% der Aussaat abgefressen, kaum daß sie draußen war…

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Puuuuh – lange her, daß ich den Antrieb verspürte, hier etwas zu schreiben.

Es gab kräftige Umwälzungen in mir und meinem Leben – ich bin wieder etwas „bürgerlicher“ unterwegs, zumindest mit gültigen Papieren, vorübergehendem „Hartz4“-Bezug, demnächst noch einer Privatinsolvenz, um die Altlasten meiner früheren Leben abzuschließen (jedenfalls die finanziellen), und noch so allerlei mehr.

Vor allem aber bin ich seit Mai dabei, vieles, über das ich bisher nur schrieb, wo es zwar Ideen und konkrete Vorstellungen gab, aber noch keine Wirklichkeit – umzusetzen. All das zu tun, was ich als Halbnomade nicht tun konnte (was diese Zeit nicht entwertet – sie war die Voraussetzung für alles, was nun kommt).

Hände in der Erde. „Real“ im Rahmen unseres Realitätsgebildes..

Ich kann einstweilen einen Teil eines recht einsamen, halbwilden Geländes im Osten Deutschlands sehr informell und günstig mitnutzen und dort sozusagen im „Sandkasten“ vieles testen und ausprobieren und umsetzen, was im Rahmen des Elfenwald-Projektes wichtig und nützlich und schön sein wird.

Vielleicht wird auch das ganze Projekt hier stattfinden, rund um das „Himmelreich“ (denn so heißt das hier) als Keimzelle. Oder es entwickelt sich sowieso alles mal wieder ganz anders ;-))

Wir werden sehen.

Erstmal werdet Ihr hier aber ein gröberes WordPress-Update über die nächsten Tage sehen – denn dann gibt es eine neue kleine Bilder-Galerie, Berichte zu Hügelbeet und Brunnenbau Schneckenzwist und Eichenkult, und so allerlei mehr.

Während ich an den Seiten herumpfriemele, ist mit Totalausfällen zu rechnen – Geduld.

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  • 2 Kommentare
  • Rubrik(en): SiteNews
  • Lachen / Denken

    Wer auf dem Mond gewesen ist, für den gibt es keine Ziele mehr.
    - Adwin Aldrin, der leider vergaß hinzuzufügen, ob er nun dort war oder nicht... *hust*

    Das hier ist…

    "Elvish Rantings"
    Das private Blog des Menschen hinter Elfenwald.
    Martin Hoffmann
    Mehr oder minder Liebevolles, Böses und Geistreiches zum Zeitgeschehen, gemischt mit reichlich Nabelschau.
    Wünsche viel Vergnügen und vielleicht den einen oder anderen Gedanken... ;-)
    Martin Hoffmann

    Panorama-WebCam:
    Ausblick nach Paraguay. Alle 240 Sekunden.

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